Kirchengeschichte

 

Kirche Neutrebbin

 

 

Wie die anderen Kolonistendörfer im Oderbruch auch (außer Neutornow) hatte Neutrebbin ursprünglich eine um 1770 errichtete Fachwerkkirche. Deren Gefache waren einen halben Stein stark gemauert und innen mit Lehm verstrichen, eine mehr als sparsame Bauweise. Die Kirche wurde, wie den Kolonisten versprochen, auf staatliche Kosten errichtet und mit genügend Land ausgestattet, um von dessen Ertrag die bauliche Unterhaltung zu gewährleisten. Die ersten Reparaturen ließen wegen der wenig soliden Bauweise nicht lange auf sich warten. Zu Beginn des 19.Jahrunderts war die Neutrebbiner Kirche aber so marode, dass man sich zu einem Neubau entschloss. 1810 erhielt der Wriezener Bauinspektor Carl Dornstein einen entsprechenden Projektierungsauftrag. 1813 lieferte er seinen Entwurf in gotisierenden Formen, der vom Wriezener Maurermeister Neubarth in der von Karl Friedrich Schinkel überarbeiteten Fassung ausgeführt wurde. Es entstand in Neutrebbin eine der ersten neugotischen Landkirchen in der Mark Brandenburg, die am31.Oktober 1817 feierlich in Nutzung genommen wurde. Im Turm hing die alte Glocke mit der Inschrift „Unter Direktion des Herrn Teichhauptmann Struve und Herrn Bauinspektor Christiani goß mich Joh. Christian Meyer 1776“ . Dazu kam 1817 noch eine zweite, auf der „Soli deo Gloria 1817“ stand. Beide Glocken wurden im Jahre 1917 an die Heeresrohstoffverwaltung abgeliefert und eingeschmolzen. Von den 1924 neu beschafften beiden Glocken fiel 1942 die größere der Kriegsrüstung zum Opfer. Die kleinere mit der Aufschrift: "Ein feste Burg ist unser Gott" und einem Bildnis Martin Luthers blieb erhalten. Im Zweiten Weltkrieg nahm die Kirche kaum Schaden. 1953 erfolgte eine umfassende Sanierung an den hölzernen Aufbauten des Turmes. Außerdem wurde der Innenraum umgestaltet, Wasserschäden beseitigt, die Fenster und der verwitterte Außenputz erneuert. Dabei entfernte man sämtliche gotische Zierelemente wie das Maßwerk der Fenster und den Spitzbogenfries unter der Traufe. So hergerichtet hielt die Kirche durch bis zum Jahre 2004. Wieder war die Holzkonstruktion des Turmes so schadhaft geworden, dass die Standfestigkeit zu schwinden drohte. Auch das Dach war an mehreren Stellen undicht. Im Zuge der nun folgenden umfassenden Sanierung bekam die Kirche zuerst eine zweite Glocke. Sie wurde in Gescha (Nordrhein-Westfalen) gegossen und mit der Inschrift „Friede sei mit Euch - anno domini 2004" versehen. Nach der Kirchturmsanierung erhielt das Gotteshaus 2005 ein neues Dach. In den Folgejahren wurden dann Schritt für Schritt die Fundamente und die Fassade saniert. Seit Oktober 2005 ziert den farblich wiederhergestellten Innenraum eine vollständige Replik des berühmten Isenheimer Altars in Colmar. Der Kunstliebhaber und Textilfabrikant Alois Fischer hatte die Replik, die ungefähr ein Drittel kleiner ist als das Original, 1982 bei dem Künstler Franz Bannholzer in Auftrag gegeben. Der Absolvent der Kunstakademie in Karlsruhe malte das große Werk in rund 17 Jahren ab. Nach seiner Fertigstellung hing es zunächst in einer Werkhalle der Textilfabrik in Massenbachhausen bei Heilbronn, bis Fischer starb und seine Familie den Altar gerne in gemeindlicher Benutzung sehen wollte. Durch eine persönliche Verbindung entstand der Kontakt zum Kirchenkreis Oderbruch, wo man sich 2004 für die Neutrebbiner Kirche als neue Heimat der sieben Einzel- und zwei Doppelflügel entschied. Die übrige Innenausstattung der Kirche stammt aus den 1960er Jahren. Auf dem westlichen Teil der Hufeisenempore steht die Orgel. Sie wurde im Jahre 1985 als "Opus 2178" im "VEB Frankfurter Orgelbau Sauer" erbaut und hat ein Manual, Pedal und acht Register. Durch aufgestellte Pfosten im Innern der Kirche soll der Eindruck einer Dreiteilung des Sakralraumes (Haupt- und zwei Seitenschiffe) entstehen. Die Kirchendecke ist mit bunt-aufgemalten Kassetten versehen.

 


 

Kirche Altlewin

 

Das alte Fischerdorf Altlewin war vor der Trockenlegung des Oderbruchs nach Wriezen eingekircht und beherbergte 15 Fischerfamilien. Nach der friderizianischen Oderbruchentwässerung änderten sich die Lebensbedingungen für die Altlewiner Fischer gravierend. Im letzten Drittel des 18.Jahrhunderts erbauten sich die Fischergemeinden eigene Bethäuser aus Fachwerk, hier 1783, die wie anderswo auch im Oderbruch mit dem Schulhaus verbunden wurden. Die von Meister Johann Friedrich Thiele in Berlin 1783 gegossene Glocke hing in einem hölzernen Glockenschauer neben dem Kirchenteil. Sie hat alle Zeitenwechsel und Gefährdungen überstanden und hängt seit 1997 in einem vom Baumeister Veit Templin errichteten Glockenstuhl auf dem Altlewiner Friedhof. Ab dem Jahr 1798 wird für Altlewin ein eigenes Kirchenbuch geführt. Alle vorherigen Eintragungen finden sich in den Wriezener Kirchenbüchern. 1800 ging das erst 17 Jahre alte Schul- und Bethaus in Flammen auf. Zwei Jahre später, am 27. Februar 1802, wurde an derselben Stelle ein Neubau in Nutzung genommen, der 1826 einen Anbau mit Lehrerwohnung erhielt. 1882 wurde dieses Bethaus ganz der Schule überlassen und auf der nordwestlichen Seite der Dorfstraße ein neues, rund 12 Meter langes Gotteshaus erbaut. Der schmucklose Backsteinbau mit Ziegeldach und Turm ist am 6. März 1883 seiner Bestimmung übergeben worden. Die 1882 von C. Voß & Sohn, Stettin, gegossene Glocke war ein Geschenk des Rentiers Heinrich Haselberger und seiner Gattin Louise. Am 16. und 17. April 1945 tobten um Altlewin heftige Kämpfe, in deren Verlauf das alte Fachwerk-Schulhaus mit dem einstigen Betsaal völlig zerstört wurde. Auch die Kirche am Ortseingang trug schwere Schäden davon, die erst zwischen 1956 und 1960 behoben werden konnten. Auch der zerschossene Turm wurde damals wiederhergestellt. Man sieht noch heute die mit anders farbigen Steinen zugesetzten Einschusslöcher. Der Innenraum wurde völlig neu gestaltet. 1964 erhielt die Kirche eine mechanische Schleifladenorgel der Fa. Jehmlich, Dresden. Der Altar wird geschmückt durch ein Kruzifix. Das mittlere Apsisfenster ist vermauert bzw. verputzt. Die Apsisfenster (links und rechts) sind mit farbiger Bleiverglasung versehen. Das linke thematisiert das Abendmahl und das rechte die "Ausschüttung des Heiligen Geistes". Links vor dem Apsisbogen stehen die hölzerne Kanzel und davor die ebenfalls aus Holz gefertigte Taufe. Das schlichte Gestühl stammt noch aus der Bauzeit. 1991/92 erfolgte eine umfassende Restaurierung der baulichen Hülle. Zuständig für die acht Seelen umfassende Kirchengemeinde, die kleinste im Bereich der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg/Schlesische Oberlausitz, ist der Pfarrer in Neutrebbin, in der Altlewiner Kirche finden nur vier Gottesdienste im Jahr statt: Neben einem Regionalgottesdienst ein zweiter zum Kalenderfest, ein dritter am Karfreitag und ein vierter am Heiligabend, aber die Gemeinde lebt.

 


 

Kirche Altbarnim (Kleinbarnim)

 

Die alte Fischersiedlung Kleinbarnim war Jahrhunderte lang nach Wriezen zur Marienkirche eingepfarrt, auf deren Kirchhof auch die Toten bestattet werden mussten. Der einzig mögliche Weg auf dem Wasser von Kleinbarnim nach Wriezen war beschwerlich, so dass sich die Dorfbewohner zunächst 1768 einen eigenen Friedhof einrichteten. 1776 schließlich entstand das noch heute stehende Bethaus als Fachwerk-Ständerbau mit dem quadratischen Vorbau. Letzterer hatte einst ein Walmdach und erhielt erst 1955 seine heutige Bekrönung. Im Innern ist die gesamte barocke Ausstattung aus der Erbauungszeit erhalten, wozu der Kanzelaltar, die dreiseitige Empore und das Kirchengestühl gehören. In der Altarpredella ist ein hölzernes Schnitzrelief eingefügt, das viel älter als der Altar ist und möglicherweise aus der Klosterkirche Altfriedland stammt. Das gilt auch für ein weiteres Schnitzrelief und die drei noch vorhandenen Apostelfiguren, deren Attribute Stier (Lukas), Löwe (Markus) und Adler (Johannes) sie als drei der vier Evangelisten ausweisen. Auch die versilberte Taufschale aus Messing und zwei Messing-Altarleuchter. alles datiert 1777, haben die Zeiten überstanden. Die erste Glocke dagegen hielt nicht sehr lange und musste 1789 durch Gebrüder Fischer, Königsberg/Neumark, umgegossen werden. Für diese Glocke wurde ein separater Schauer aus Fachwerk errichtet, der etwas abseits in die Kirchhofsmauer einbezogen war. Nach 1957 war dieser Glockenschauer so baufällig geworden, dass man ihn beseitigte und direkt neben der Kirche einen eisernen Glockenstuhl errichtete, in dem bis 2009 die Kleinbarnimer und die hierher verlagerte Großbarnimer Glocke (gegossen 1786 von Johann Friedrich Thiele, Berlin) hingen. Im Juli 2000 errichtete der Zimmerer Ronald Desem aus Königlich Reetz als Meisterstück einen neuen Fachwerk-Glockenstuhl. An seinem ursprünglichen Standort sollte er aber entsprechend einer Intervention der Unteren Denkmalbehörde nicht bleiben und wurde schließlich 2005 auf den Friedhof umgesetzt. Im Jahre 2009 konnten die beiden Glocken aus dem stählernen Schauer zur Restaurierung gebracht werden. Am 4. Mai 2009 fanden sie dann ihren endgültigen Platz in dem hölzernen Glockenschauer auf dem Friedhof. Ihre Wiederinbetriebnahme erfolgte während eines Festgottesdienstes am 21. Mai 2009.

 

Den Zweiten Weltkrieg überstand die Kirche mit einigen reparablen Schäden, die von den Zimmerleuten Paul und Walter Bellin sowie dem Tischler Helmut Klemer bereits 1948 ausgebessert wurden. In den 1990er Jahren hatte sich der Zustand des Gotteshauses nach einigen alten Schäden weiter verschlechtert. Der Putz fiel aus den Gefachen, Holzbalken waren von Schwamm und Schädlingen befallen. Mit der Absicht, die Kirche schrittweise zu sanieren und damit zu erhalten, gründete sich 1997 der "Freundeskreis zur Rekonstruktion, Pflege und Nutzung der Kirche von Altbarnim e. V.". Eine große Spendenaktion im Jahr darauf erbrachte die ersten Mittel. 1999 und 2000 waren zur Sanierung der Hülle bereits 360.000 Mark verbaut worden. Sogar eine Stiftung mit dem Namen "Erich Karitzky Stiftung" wurde von Prof. Dr. Paul Gert von Beckerath in Brühl errichtet, um Mittel für die Restaurierung zu akquirieren. Von nun an erstrahlt die Kleinbarnimer Kirche wieder in Weiß. An der Wiedererstehung der Kleinbarnimer Kirche ist abzulesen, zu welch beachtlichen Erfolgen das gemeinsame Wirken von Kirchengemeinde und Bürgerinitiative führen kann. Die Altbarnimer Fachwerkkirche gehört in die Reihe der original überlieferten Oderbruch-Kirchen aus friderizianischer Zeit, die in den ersten Jahrzehnten ihrer Existenz mit der Schule kombiniert waren. Von ihnen hatten sich bis 1945 in ihrer äußeren Gestalt nur die Fachwerkkirchen von Altwriezen, Neubarnim und Wuschewier erhalten. Während in Neubarnim die Kirche 1945 völlig zerstört wurde und in Altwriezen 1973 der Abriss erfolgte, blieben nur noch Altbarnim und Wuschewier übrig. Das Schul- und Bethaus Wuschewier wurde Ende der 1990er Jahre umfassend restauriert. Von der ursprünglichen Innenausstattung ist so gut wie nichts erhalten. Das Bethaus von Altbarnim ist der letzte Kirchenbau aus friderizianischer Zeit im gesamten Oderbruch, der bis heute in seiner architektonischen Schlichtheit sowohl im Äußeren als auch in seiner künstlerischen Geschlossenheit im Innern erhalten geblieben ist. Als Zeitzeuge der Neubesiedlung des Oderbruchs im Zuge der friderizianischen Binnenkolonisation ist diese Kirche für das ganze Oderland von Identität stiftender Bedeutung. Sie ist gleichermaßen ein hervorragendes Denkmal für die Glaubenspraxis der Oderbrücher vor über 200 Jahren. Damit sie ihre Identität stiftende Kraft behält, ist es wert, auch den historischen Denkmalsbestand der Inneneinrichtung vor dem Verfall zu bewahren.

 


 

 

Kirche Kunersdorf

 

Im Jahre 1781 vollendete der General Hans Siegismund von Lestwitz sein umfangreiches Aufbauwerk in Cunersdorf mit dem Abriss der baufällig gewordenen Fachwerk-Dorfkirche. An ihre Stelle ließ er einen verputzten Saalbau mit frühklassizistischer Fassade von 70 Fuß (ca. 23 m) Länge setzen. Der im Westen stehende Turm hatte eine geschweifte Haube. In ihm hingen ursprünglich drei Glocken, eine von 1412 und zwei jüngere, die 1840 von dem Glockengießer Hackenschmidt in Berlin umgegossen wurden. Von diesen beiden musste 1917 eine an die Heeresrohstoffverwaltung abgegeben werden. Das Besondere an dieser Kirche war die Quergliederung des Innenraumes. Der Kanzelaltar stand gegenüber der Patronatsloge an der südlichen Längswand des Kirchsaales. Auf der Westempore erklang seit 1825 eine von Henriette Charlotte Gräfin Itzenplitz geschenkte Orgel. An den Wänden hingen einige bemalte Totenkronenkonsolen sowie Gedenktafeln für die Gefallenen des Dorfes in den Befreiungskriegen 1813/14, für die verstorbenen Veteranen jenes Krieges und für die im Ersten Weltkrieg als Soldat gestorbenen Cunersdorfer. Die von Lestwitz errichtete Kirche hatte bei den schweren Kämpfen, die um Cunersdorf im April 1945 tobten, stark gelitten. Dabei sind die Totenkronenkonsolen, die Gedenktafeln, die Weinkanne, eine Oblatendose, der durch von Frau von Friedland gestiftete silberne Abendmahlskelch und das Taufbecken verloren gegangen. Auch die 1615 einsetzenden Kirchenbücher sind in dem von Flüchtlingen bewohnten Pfarrhaus untergegangen und wurden vermutlich verheizt. Die Kirchenruine wäre wiederaufbaufähig gewesen, wurde aber auf Veranlassung des damaligen Bürgermeisters nach 1946 abgerissen. Der im Kern wohl noch aus dem 14. Jahrhundert stammende Kirchturm wurde zwei Jahre später gesprengt. Seine Trümmer verunzierten das Dorf noch bis zum Ende der 1950er Jahre. Im Februar 1950 stellt das Konsistorium an das Ministerium für Handel und Versorgung der DDR einen Antrag auf Materiallieferung zur Wiedergutmachung der Eingriffe in kirchliches Eigentum zum Bau von Kapellen in Felgentreu, Döberitz, Klein Ziethen, Cunersdorf und Setzsteig. Dieser Antrag wurde tatsächlich bewilligt. Da es aber mit der Beräumung der Kirchentrümmer in Kunersdorf (seit 1945 mit "K" schrieben) nicht vorwärts ging, beschloss der Gemeindekirchenrat, die neue Kirche an anderer Stelle, und zwar auf dem nicht benutzten Mittelteil des schon vor 1700 angelegten Friedhofes zu errichten. Lange vor Erhalt der Baugenehmigung wurde am 2. Advent 1950 der Grundstein am neuen Bauplatz gelegt. Der Architekt Curt Steinberg, langjähriger Leiter des Kirchlichen Bauamtes im Konsistorium Berlin-Brandenburg, wurde mit dem Entwurf für den Kirchneubau betraut. Mit der Bauleitung beauftragte man den Bad Freienwalder Architekten Gerhard Bischof, während die Bauausführung von der Wriezener Baufirma Fritz Christoph besorgt wurde. Doch der Kirchenbau zog sich in die Länge. Es fehlte an Holz für die Kuppel, das schließlich durch Holzspenden mehrerer Familien aus Kunersdorf, Metzdorf und Katharinenhof zusammengebracht wurde. Der seit Frühjahr 1952 in Kunersdorf wirkende Prediger Georg Herche schleppte in Westberlin beschaffte Nägel für die Vernagelung der Kuppelbinder im Rucksack durch die Ostberliner Kontrollstellen. Noch waren nicht alle Arbeiten erledigt, u. a. die Eindeckung des Turmhelms, als die feierliche Indienstnahme am 30. Mai 1955 durch Bischof Dibelius stattfand. Die drei in Apolda gegossenen Stahlglocken konnten noch im selben Jahr beschafft werden. Orgelempore und Treppen wurden 1960 gebaut. 1971 bekam die Kirche eine Kleinorgel, gebaut von den Gebrüdern Jehmlich ("Opus 854") in Dresden. Merkwürdig erscheint die Verbindungstür zwischen Turmhalle und Kirchsaal. Sie entstand laut Inschrift 1937 in der Fachschule für Raumtechnik und Raumgestaltung Berlin zum Andenken an die 700-Jahrfeier der Stadt Berlin und trägt in 15 Kassetten die stilisierten Wappen von Berlin und einigen Berliner Stadtbezirken. Es handelt sich um einen Flügel einer ursprünglichen zweiflügeligen Tür, die im Tanzsaal des Kunersdorfer Gasthauses eingelagert war und Auslagerungsgut einer Botschaft in Berlin gewesen sein soll. Die in rötlich-braunem Klinkerverblendmauerwerk ausgeführte Kirche besteht aus einem zentralen, überkuppelten Rundbau, südlichem Turm mit achtseitigem Knickhelm und kleinem Sakristeianbau mit Walmdach an der Nordseite. Das Äußere ist weitgehend schmucklos, jedoch wirkungsvoll gegliedert durch den Wechsel von kräftig hervortretenden Lisenen und schmalen, scharf in die Wand eingeschnittenen Fensterbahnen. Das mächtige Kuppeldach ist als Halbkugel ausgebildet und trägt eine glattflächige Dachhaut aus Schieferschindeln in englischer Deckung. Der kreisförmige, überkuppelte Innenraum hat im Zenit der Rundkuppel sich vereinende Rippen. Im Norden gibt es eine spitzbogige Nische für den Altar, geschmückt mit einem schlichten Holzkreuz. Das in zwei Blöcken angeordnete Gestühl und die hölzerne Kanzel passen gut zum schlichen Charakter der Architektur. Der Boden ist mit keramischen Fliesen ausgelegt. Die in freundlichen Farben gehaltenen Glasfenster sind 1953 von der Glasmalerin Katharina Peschel aus Berlin-Mahlsdorf geschaffen worden. Die Kirche gehört zu den wenigen Sakralbauten aus der Zeit nach 1945 im Kreisgebiet. Sie ist ein Spätwerk des Architekten Curt Steinberg, der sich bereits in den 1920er Jahren durch seine qualitätsvollen Sakralbauten in der Mark Brandenburg einen Namen gemacht hatte. Zu seinen Hauptwerken gehört die Georgenkirche in Frankfurt (Oder), die architektonisch große Ähnlichkeit mit der Kunersdorfer Kirche aufweist.

 


 

Kirche Bliesdorf

 

Schon in vorreformatorischer Zeit scheint es in Bliesdorf eine Kirche gegeben zu haben. Davon kündeten die beiden mittelalterlichen Glocken aus dem 15. Jahrhundert, die 1917 an die Heeresverwaltung abgeliefert werden mussten. Das zweite Gotteshaus, ein breitausladendes hübsches Fachwerkgebäude vom Anfang des 18. Jahrhunderts, stand am Nordende der breiten Dorfaue, wo sich später das Schulhaus befand. Als diese Kirche um 1875 baufällig geworden war, musste sechs Jahre lang um einen Neubau verhandelt werden. Er entstand 1881/82 als Rohziegelbau in neugotischen Formen und wurde mitten in die Dorfaue gestellt. Ihr Erbauer war der Ratsmaurer- und Zimmermeister Neubarth in Wriezen. Im Innern stand die aus der alten Kirche übernommene barocke Kanzel, die mit neun Apostelfiguren geschmückt war. Ab dem 24. März 1928 erklang mit drei von der Firma Schilling & Lattermann in Apolda neu beschafften Gussstahlglocken wieder ein Dreiergeläut vom Turm. Im Frühjahr 1945 wurde die Bliesdorfer Kirche bei den schweren Kämpfen südlich von Wriezen völlig zerstört. Das Schiff war ausgebrannt, der Kirchturm völlig zerschossen. Zwischen 1949 und 1951 wurde die Kirche in der etwas reduzierten Form, wie wir sie noch heute sehen, wiederaufgebaut. Der Turm erhielt nur ein Pyramidendach. Im Innern ist die Kirche ganz schlicht und ohne Empore und Orgel. 1954 konnte von der Kirchgemeinde zur Vervollständigung des Dreiergeläuts eine neue Glocke aus Eisenhartguss (Schilling & Lattermann, Apolda) beschafft werden. In den 1990er Jahren erhielt die Kirche ein neues Dach. Das Kirchliche Bauamt schlug damals dem Konsitorium vor, die Neubeschaffung von Altar und Kanzel durch Überlassung des Kanzelaltars aus der Georgenkirche in Bad Freienwalde zu lösen. Daraufhin wurde dieser wertvolle Altar ab 1952 der Kirchgemeinde Bliesdorf leihweise auf unbefristete Zeit überlassen. Nach langwierigen Sanierungsmaßnahmen an der Georgenkirche ging der Altar zunächst dorthin wieder zurück.

 

Als dann die Georgenkirche 1972 wegen zunehmender Baufälligkeit außer Nutzung genommen werden musste, sollte der Kanzelaltar zunächst nach Ihlow, dann nach Lüdersdorf umgesetzt werden. Nachdem am 1. Mai 1977 vom Dach der Georgenkirche ein Traufbrett herabgefallen war, wurde das Gebäude wegen akuter Einsturzgefahr baupolizeilich gesperrt. Der barocke Kanzelaltar wurde dann im Januar 1978 wieder nach Bliesdorf gebracht. Auch die hölzerne Taufe von St. Georgen kam bei dieser Gelegenheit in die Bliesdorfer Kirche. Beides ist damals in das Eigentum der Kirchengemeinde Kunersdorf-Bliesdorf übergegangen. Der Kanzelaltar hat die Form eines Säulenaufbaus mit reichem Akanthusschnitzwerk. Der Aufbau mit zwei zierlich gewundenen Kompositsäulen und gekröpftem Gebälk schließt zwischen diesen die etwas steife Kanzelkufe ein. Das seitliche Akanthusornament von freier Linienführung zeigt sehr routinierte technische Behandlung. Die obere Endigung bilden zwei neben dem Schalldeckel stehende Engel und der sich über diese erhebende Christus mit der Siegesfahne. Alles Ornament ist vergoldet, das übrige in Steinton gehalten. Die jetzige Farbfassung stammt von der letzten Übermalung um 1900 und ist bereits die dritte, wie bei der restauratorischen Untersuchung festgestellt wurde. Leider fehlen die Predella und große Teile des Zierrats einschließlich der Siegesfahne, die wohl schon in den Nachkriegswirren oder bei der ersten Umlagerung abhandengekommen sind. Gerade die Predella machte den Altar einst so interessant. Sie trug drei Medaillons, von denen das linke das Abbild eines Mannes in Jägertracht enthielt. Das rechte zeigte folgende Inschrift: "Gott zu Ehre, dieser Kirche zur Zierde, hat diesen Altar und Kantzel von Grund auf neu erbauen lassen. Herr Samuel Liebenwald, Kurfürstl. Brandenb. Leib Laquay 1698, 28. July.". In dem mittleren Medaillon befand sich eine Abendmahlsdarstellung. Das Bild zur Linken stellte den Stifter Samuel Liebenwald dar. Im Jahre 1998 erfolgte eine nachhaltige konservatorische Behandlung des Holzes und der Farbfassung des Altars durch die Restauratoren Christiane Thiel und Konrad Dazer (Berlin/Potsdam). Seit April 2001 hängt in der Kirche eine Gedenktafel mit den 69 Namen der im Ersten und Zweiten Weltkrieg gefallenen Bliesdorfer und Vevaiser. Die Initiative dazu ging von den Gemeindekirchenratsmitgliedern Herbert Biebermann und Ullrich Thöns aus. Sie wollten an die Väter, Ehemänner, Brüder und Geliebten erinnern, die in den Herzen der Hinterbliebenen fortleben und deren letzte Ruhestätte kaum jemand kennt.

 


 

Ehemalige Klosterkirche Altfriedland

 

Neben einem Teil des westlichen Konventsflügels hat sich von der Klosteranlage lediglich die Kirche erhalten. Es handelt sich um einen längsrechteckigen Feldsteinbau mit geradem Ostabschluss und Dreifenstergruppe, der im Kern aus dem 13. Jahrhundert stammt. Mehrmalige Umbauten seit dem 18. Jahrhundert haben das Gebäude stark überformt. Einige Reste von den spitzbogigen Fenstern des Mittelalters im Mauerwerk der Südseite sind erhalten geblieben. Aus der Zeit zwischen dem späten 15. und dem beginnenden 18. Jahrhundert gibt es keine Überlieferungen zum Schicksal der Kirche. Größere Umbauten erfolgten erst 1733 im Rahmen des Ausbaus zur Pfarrkirche. Dies war nötig, weil die alte Stadtkirche baufällig geworden war. Damals wurden die heutigen Korbbogenfenster herausgebrochen und ein Fachwerkturm an den Westgiebel angebaut. Im Innern erhielt das Gotteshaus einen Kanzelaltar, der von dem Bildhauer Johann Georg Glume (1679-1765) entworfen worden sein soll. Zur selben Zeit wurde auch das bis ins 18. Jahrhundert genutzte adlige Erbbegräbnis unter dem Fußboden geschlossen. 1752 bis 1755 musste das hölzerne Tonnengewölbe entfernt werden, weil es einzustürzen drohte. Danach erhielt die Kirche einen neuen Dachstuhl mit einer Ziegeleindeckung. Weitere Umbauten und Reparaturen fielen in die Jahre 1766/67, 1789, 1814-16, 1835-56, 1864, 1875 und 1936-38. Ein Schinkelscher Entwurf für ein doppeltürmiges Westwerk aus dem Jahre 1814 kam nicht zur Ausführung. Auf den vorhandenen Sockel wurde lediglich ein neuer Turm gesetzt. 1835 erhielt der Kirchenraum eine Orgelempore und zwei Seitenemporen eingebaut. Beim Auftragen eines weißgrauen Innenanstrichs wurden die letzten bis dahin erhaltenen Wandmalereien übertüncht. 1836 kam eine Orgel auf die Westempore, gebaut von dem Berliner Orgelbauer Carl-August Buchholz. Der heutige neugotische Backsteinturm wurde 1864 auf Veranlassung des Patrons Heinrich August Graf v. Itzenplitz angebaut. Die letzte Erneuerungs- und Renovierungsphase in den Jahren 1936-38 wurde gemeinsam vom Patron Karl von Oppen und dem damaligen Pfarrer Schliephacke initiiert. Patron und Kirchengemeinde ließen sich diese Aktion 18.000 RM kosten. Aus jenen Jahren stammen auch die Ausmalung der Kirchendecke im Barockstil und die Inschrift an der stark vergrößerten Mittelblende am Ostgiebel. Sie lautet: ,,O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort. - Um das Jahr 1230 wurde das Gotteshaus als Kirche des Klosters der Zisterzienserinnen zu Friedland erbaut und der Jungfrau Maria geweiht. Nach Einführung der Reformation wurde das Nonnenkloster um 1540 aufgehoben und die Kirche geriet in Verfall. Fast zweihundert Jahre später wurde sie wiederhergestellt und am Neujahrstage 1734 fand hier der erste evangelische Gottesdienst statt. Von 1936-1938 wurde sie außen und innen erneuert. - Jahrhunderte hindurch ward Gottes Wort verkündigt in diesen Mauern. Der Herr schenke für weitere Jahrhunderte diesem Hause Schutz und Segen." Während des Zweiten Weltkrieges nutzte man die Kirche als Depot für ausgelagerte Akten und Mobiliar des Auswärtigen Amtes. Gegen Ende des Krieges gab es gravierende Schäden durch Beschuss an der Außenhülle und durch Plünderungen im Innern. Das Kirchengestühl diente als Brennmaterial und die Buchholz-Orgel wurde irreparabel beschädigt. Zwischen 1950 und 1957 mussten unter schwierigen Rahmenbedingungen diese Kriegsschäden beseitigt werden. Im Schutt fanden sich bei den Aufräumarbeiten die Taufschale aus dem 17.Jahrhundert, einer der mittelalterlichen Abendmahlskelche die beiden Altarleuchter sowie eine Bibel aus dem Jahre 1574 wieder an. Nach den Aufräumarbeiten erfolgte 1948/49 die Neuanfertigung von Kirchenbänken durch den Stellmacher Dumke aus Altfriedland. 1954 baute die Firma Schuke in Potsdam für 22.000 Mark eine neue Orgel.Zu den wertvollen älteren Kirchengeräten gehört die Messing-Taufschale (Dm. 53 cm), in deren Mitte sich eine Darstellung der Verkündigung Mariä befindet. Es handelt sich um eine Massenarbeit Nürnberger Beckenschläger aus dem 17.Jahrhundert, die nach dem Dreißigjährigen Krieg auch in der Mark Brandenburg viele Kirchen belieferten. Die Umschrift um die Verkündigungsszene besteht aus so genannten Ziermajuskeln, ist also keine echte Schrift. Von den drei bis 1945 in der Klosterkirche vorhandenen Abendmahlskelchen, die Fontane in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" beschreibt, stammten zwei noch aus Klosterbesitz. Laut Lagerbuch von 1871 gehörten zu den Kelchen auch drei silberne Patenen und eine Kelchdecke mit der Jahreszahl 1527, die möglicherweise im Kloster angefertigt wurde. Sie bestand aus weißem Leinen, war reich bestickt und zeigte in der Mitte das Kreuz mit den angeschlagenen Marterwerkzeugen Christi. Seit 1945 ist nur noch derjenige Abendsmahlskelch vorhanden, den Fontane als "Reliquienkelch" bezeichnete. Dieser vergoldete Silberkelch vom Ende des 15.Jahrhunderts trägt auf dem Fuß die Inschrift: "Johanes Welsekendorp Margareta memoriali". Er wurde von Angehörigen der Eberswalder Patrizierfamilie Welsickendorf gestiftet, die nachweislich bereits um 1375 Beziehungen zum Kloster Friedland pflegte. Unter der Orgelempore hingen bis 1945 22 bemalte Totenkronenkonsolen aus den 1840er Jahren, von denen heute nur noch vier vorhanden sind. Von den Totenkronen selbst ist nur noch eine einzige erhalten. 1733 wurden die beiden Glocken der Stadtkirche in die Klosterkirche gebracht. Die größere sprang im Dezember 1836 und wurde 1840 von dem Berliner Glockengießer Johann Carl Hackenschmidt umgegossen. 1917 musste sie an die Heeresrohstoffverwaltung abgeliefert werden. Die kleinere ereilte dasselbe Schicksal im Zweiten Weltkrieg. Nur die Glocke von 1735, die Markgraf Carl gestiftet hatte, überdauerte beide Weltkriege. Ihre Aufschrift lautet: "Durch Gottes Gnaden goss mich zu Friedland Christian Heintze von Berlin. Gott sei gelobt, der uns die Kirch und Glocken hat gegeben, der mit seinem Schutz und Huld darüber treulich schweben. 1735 von Gottes Gnaden Carl Prinz von Preußen und markgräflicher Graf zu Brandenburg des ritterlichen Johanniter Ordens. Meistercollator Johannes Christoph Fiedler, Pastor; Martin Fiddecke; Gottlieb Koppe, Kirchenvorsteher." 1952 goss die Firma Schilling&Lattermann in Apolda eine zweite Glocke für Altfriedland aus Stahl. Diese so genannte Hartguss-Glocke ergänzt den A- Ton im Geläut mit der alten Bronzeglocke durch ihren Cis-Ton. Seit dem 24. April 2010 gibt es den Förderverein "Klosterkirche Altfriedland e. V", der sich zum Ziel gesetzt hat, den Erhalt des Kirchengebäudes zu fördern und aktiv daran mitzuwirken. Die Kirche zeigt großflächige Feuchtigkeitsschäden an den Wänden, deren Ursachen schnellstmöglich beseitigt werden sollen.

 


 

 

Kirche Wuschewier

 

Wuschewier hieß bei seiner Gründung als Koloniesiedlung im Jahre 1757 zunächst Carlsburg, wurde aber bald nach dem "Wuschewiere" genannten Fließ umbenannt, an dem das Dorf sich entlangzieht. Am Knickpunkt der Dorfstraße steht seit 1764 das Schul- und Bethaus, dessen Ursprungsbau in Fachwerk und mit Rohrdach bis auf den nördlichen Abschluss bis heute erhalten geblieben ist. Es vereinte Betsaal, Schulstube, Lehrer- und Hirtenwohnung unter einem Dach. Das langgezogene Fachwerkgebäude wurde durch Anbauten mehrmals erweitert. Zuerst ist der Betsaal nach Süden verlängert worden. 1850 erfolgte ein Anbau nach Norden zur Vergrößerung der Schulstube. Schließlich wurde 1855 der Glockenturm errichtet. In ihm hängt die 1855 von J. C. Hackenschmidt, Berlin, gegossene Glocke. 1907 entstand in unmittelbarer Nähe ein modernes Schulgebäude, worauf leider die Schulstube als Bestandteil des Ursprungsbaus abgerissen wurde. Man betritt den Kirchsaal durch einen kleinen Vorraum von der Straße aus, die ehemalige Lehrerwohnung vom Garten aus. Der Innenraum mit seinen auf sieben schlichten Stützen ruhenden Emporen überrascht durch seine Großzügigkeit. Der Fußboden ist mit roten Ziegeln belegt, während die Wände weiß und hellgrau gestrichen. Die Emporenbrüstungen tragen ein gedecktes Rot. Vor dem einfachen Altar steht der Taufstein, etwas entfernt ein einfaches Lesepult. An den Wänden hangen erneuerte Gedenktafeln für die Gefallenen des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 und der beiden Weltkriege. Vor dem Zweiten Weltkrieg hingen an den Emporen teilweise volkskünstlerisch wertvolle, bunt bemalte Totentafeln und kunstvoll geflochtene Totenkronen, die nach dem Krieg leider aus dem Gotteshaus entfernt wurden. 1947 richtete das Oderhochwasser am Schul- und Bethaus schwere Schäden an. Die unteren Lehmgefache waren herausgespült und sind später mit Ziegeln neu ausgefacht worden. Im Jahre 1958 musste die schadhafte Rohrdeckung erneuert werden. Gleichzeitig wurden die Emporenbrüstungen neben der Orgel durch Brettbaluster, ähnlich wie über dem Altar, ersetzt. Auch die 1850 von Georg Mickley in Freienwalde gebaute Orgel wurde 1959 von dem Cottbuser Orgelbauer Reinhold Klenke repariert und umdisponiert. Zur Vermeidung größerer Schäden renovierten 1975 Gemeindeglieder die Außenhülle samt Ausbesserung des Rohrdaches. 1982 erneuerten Fachleute das Dach und den Außenanstrich. 1987/88 wurde der weggesackte Turm wieder gehoben und instand gesetzt. In den 1990er Jahren befand sich das Gebäude erneut in einem schlechten baulichen Zustand. Durch das Anwachsen des Bodens waren die Schwellen nahezu verrottet und teilweise nach außen herausgebrochen. Die Außenwände hatten sich gesenkt und zum Hausinnern geneigt. Das Dach war im Umfeld der Gaupe und entlang des Firstes nicht mehr dicht. Zur Fortsetzung der Sanierung fehlten der Kirchengemeinde die Mittel. Um aus dieser ausweglos scheinenden Situation herauszukommen, gründete sich 1995 der Förderverein Schul- und Bethaus Wuschewier e. V" Man begann mit dem Geldsammeln und hoffte einige Zeit vergeblich auf staatliche Förderung. Der damals 72-jährigen Lehrerin Ursula Hinz aus Neufahrland ist es zu verdanken, dass sich die Hamburger Hermann Reemtsma Stiftung über den Förderverein mit 400.000 Mark an der Wiederherstellung des Innenraumes beteiligte. Insgesamt kostete die Restaurierung des Wuschewierer Schul- und Bethauses 950.000 Mark. Am 27. September 1997 fand die feierliche Wiederindienstnahme des Hauses statt. Mit der Restaurierung der Orgel (durch die Orgelwerkstatt Christian Scheffler in Sieversdorf), die am 10. 05. 1998 feierlich in Betrieb genommen wurde, war die Sanierung dieses eindrucksvollen Baudenkmals beendet.

 


 

 

Kirche Sietzing

 

 

Die evangelische Kirchengemeinde Sietzing hielt sich ursprünglich zur Pfarre m Neulewin, wurde jedoch 1775 vom Pfarrer in Friedland betreut. Damals gab es im Ort lediglich eine "Stube zum Gottesdienst", in welcher der Friedländer Pfarrer "von Zeit zu Zeit gottesdienstliche Handlungen verrichtete". 1803 erbauten sich die Sietzinger Kolonisten anstelle der genannten "Stube" das noch heute stehende Fachwerk-Bethaus. An den hohen Festtagen jedoch besuchten die Sietzinger die Gottesdienste in Friedland. Später kam Sietzing zur Pfarre Neutrebbin bis es durch Ministerialerlass vom 1. November 1866 zu einer selbstständigen Pfarrgemeinde erhoben wurde. Schon 1873 wurde man der sieben Jahre früher begründeten Parochie Wuschewier zugewiesen. Nach Auflösung der Pfarrstelle im Jahre 1921 kam Sietzing dann zu Alttrebbin. Heute gehört die Gemeinde zum Pfarrbereich Neutrebbin. Der einfache Fachwerk-Betsaal erhielt 1883 einen Fachwerkturm, dessen Gefache mit Ziegeln ausgemauert und an den beiden oberen Teilen verbrettert sind. Die beiden Glocken tragen keinerlei Inschrift. Es handelt sich um zwei Stahlgussglocken vom "Bochumer Verein" aus dem Jahre 1883. Das Innere wird von einem schmucklosen Kanzelaltar bestimmt. Hinter dem Altar befindet sich - durch eine Glaswand abgetrennt - die so genannte Winterkirche. Rechts vom Altar steht die hölzerne Taufe. Sie ist achtseitig und marmoriert. Als Taufschale dient ein Oblatenteller.

 

An der Orgelempore hängt eine Gedenktafel für den Staatsminister Heinrich Graf von Itzenplitz (1799-1883), dem Begründer und Patron der Pfarre Sietzing. Auf anderen Tafeln stehen die Namen der in den Knegen von 1870/71 und 1914-18 gefallenen Sietzinger. Große Kriegsschäden hatte die Sietzinger Kirche nicht. In den 1950er Jahren wurde das Dach umgedeckt, 1988 dann gänzlich erneuert. Auch der Turm wurde in den 1980er Jahren durch die Kirchenhandwerker aus Bad Freienwalde saniert, ebenso die äußere Hülle. Bei diesen Bauarbeiten entfernte man leider das Fachwerk des Turmunterbaus und ersetzte es durch einen massiv gemauerten Unterbau. Schon in den 19 50er Jahren musste in den Turm eine Leichenhalle eingebaut werden, weil der Sarg bei Beerdigungen nicht mehr in der Kirche oder zu Hause stehen sollte. In den 1990er Jahren ist die Kirche außen und innen farblich neu gestaltet worden, so dass sie, mitten in dem kreuzförmig angelegten Dorf stehend, einen freundlichen und einladenden Eindruck macht.